Heutzutage hat doch wirklich jeder schon mal was von DEM Pilgerweg Europas gehört. Dem „Camino de Santiago“ oder in deutschsprachigen Ländern auch „Jakobsweg“ genannt. Tja, da brauch ich, glaube ich, nicht viel erklären, am 01. Juli gehts los. Von Klosterneuburg nach Santiago de Compostela, knappe 3.000 Kilometer zu Fuß. 3 Monate. Alleine. Oha.
Ich werde natürlich versuchen täglich so gut es geht über mein Abenteuer zu berichten. Also GEH MAS AN!

Tag #1
Die Aufregung der letzten Tage raubt mir den Schlaf, was nicht unbedingt von Vorteil ist, wenn man um 5.00 Uhr auf muss. Der Rucksack ist gepackt, die Schuhe geschnürt, die Knie geölt. Top. Noch eine letzte Umarmung von meiner Mutter. „Mama, ich geh jetzt“ und dann geht’s auch schon los.Die ersten 20 Minuten geht mir…
Tag #2
Dank des ausgiebigen Regens des Vortages waren die Temperaturen heute morgen, um es so auszudrücken, echt „knackig frisch“. Da macht sich das Gewicht meiner Fleece-Weste glücklicherweise auch bezahlt. Nach einer kurzen Autofahrt zurück an den Punkt, wo mich mein großzügiger Gastgeber am Vortag aufgelesen hat, folgt eine nette Verabschiedung. Mit einer Hand voll Früchten, die…


Tag #3
Tag 3 beginnt für mich definitiv nicht wie erwartet. Die Nacht war kalt und feucht, was mir nicht gerade einen erholsamen Schlaf bescherte. Wie schon die Tage zuvor mach ich mich wieder auf den Weg durch unzählige Mais- und Getreidefelder. Was ganz Neues. Umso näher ich dem städtischen Gebiet komme, desto mehr werden die Feldwege…
Tag #4
Mein Tag beginnt mit einer überaus netten Geste, da die Gastwirtin des Gasthofes zur Post in Prinzersdorf, trotz ihres freien Tages früh aufsteht, um mir ein Erste Klasse Frühstück zu servieren. Danke. Mit vollem Bauch und Kraft für den Tag mache ich mich auf den Weg…


Tag #5
Der heutige Tag beginnt wie jeder andere zuvor, mit dem Läuten meines Weckers, der mich aus diversen Traumwelten zurück in…Der heutige Tag beginnt wie jeder andere zuvor, mit dem Läuten meines Weckers, der mich aus diversen Traumwelten zurück in die harte Realität holt. Ich wälze mich aus dem Bett. Die Beine, Füße und Schultern schmerzen. Was soll’s? Hilft nix, los geht’s…
Tag #6
Die erste Woche ist fast vorüber und ich fühle mich auch dementsprechend. Mit müden Knochen und schmerzenden Muskeln wälze ich mich aus dem Bett. Als einziger Gast in der Herberge bekomme ich ein ganz besonders ausgiebiges Frühstück und viel besser noch, meinen ersten Stempel im Pilgerpass…


Tag #7
Die erste Woche ist hinüber, die Muskeln erschöpft und die Müdigkeit gewinnt die Oberhand. Nach einer kalten und verregneten Nacht im Zelt packe ich meine sieben Sachen, frühstücke Hartwurst und Proteinbrot auf einem Bankerl und mach mich dann auf den Weg, um dem heutigen Wetter, das mal wieder gegen mich zu sein scheint, zu trotzen…
Tag #8
Der Tag beginnt heute mit der Gewichtsoptimierung meines Rucksacks am Postamt der ältesten Stadt Österreichs. Beim Durchforsten meines Rucksacks finde ich wieder mal einige Dinge, für die ich bis jetzt keine Verwendung gefunden habe und zukünftig vermutlich auch nicht finden werde…


Tag #9
Der Tag beginnt wie der letzte aufgehört hat. Mit einer stark befahrenen Straße an der ich mich im Bankett Schritt für Schritt entlang hantle. Ganz toll. Was ich mir dabei denke, als ein LKW nach dem anderen an mir vorbeizieht, schreib ich hier lieber nicht…
Tag #10
Das erste Mal seit 10 Tagen wache ich gut ausgeruht auf. Die Knieschmerzen sind heute nur leicht zu spüren. Das muss ein guter Tag werden. Zusätzlich werde ich mit einem wahnsinnig guten und reichlichen Frühstück verwöhnt, was die Motivation auf den Tag ungemein steigert.


Tag #11
Da ich im Pfarramt Straßwalchen gestern großzügigerweise aufgenommen wurde, gebe ich mir heute morgen ganz besonders Mühe, den Raum auch so zu verlassen, wie ich ihn vorgefunden habe. Nachdem alles wieder an seinem Platz ist, zumindest so wie ich es in Erinnerung habe, packe ich meinen Rucksack und los geht’s…
Tag #12
Ich muss ganz ehrlich sagen, so eine finstere Nacht wie heute habe ich noch nie erlebt. Ich übernachte im Gästezimmer einer netten alten Dame in der kleinen Ortschaft Laufen, im Bayrischen Hinterland. Dort gibt es nachts kein bisschen künstliches Licht, weder Straßenlaternen noch irgendeine andere Form von Licht, egal welcher Art. Und die Ruhe dazu…


Tag #13
Anlässlich meines heutigen Geburtstags beschenke ich mich mit einem Pausentag. Einen ganzen Tag nur herumliegen, schlafen, nichts tun. Tja, nicht ganz. Einen Geburtstag alleine zu verbringen, ist einfach nichts Schönes. Daher hab ich mich über den Geburstags-Besuch aus der Heimat ganz besonders gefreut…
Tag #14
Der Geburtstag und damit die Pause sind vorbei, das heißt, für mich geht es zurück in die harte Realität. Mit frisch gewaschenem Gewand („Danke, Mama“), vollem Magen und neugeschöpfter Motivation mache ich mich wieder auf den Weg…


Tag #15
Dritte Woche, dritte Blase. Wenn auf meiner bisherigen Reise auf irgendwas Verlass war, dann auf den ehrgeizigen Versuch meiner Zehen, schmerzende Blasen zu bekommen. Langsam überkommt mich das Gefühl, dass irgendetwas gezielt gegen mich arbeitet…
Tag #16
Mein heutiger Tag beginnt wie der gestrige aufgehört hat, einerseits mit einer wunderschönen Aussicht auf das Schloss Neubeuern, ndererseits mit einer verbitterten Suche nach einem Quartier für heute Nacht. Da ich mich letzte Woche leichtsinnig dafür entschieden habe, mich meines Zeltes zu entledigen (per Post an Mama) steh ich heute umso blöder da…


Tag #17
Der Tag heute beginnt ziemlich ärgerlich, da die Betreuerin in der Unterkunft, in der ich übernachtet habe, nicht auffindbar ist. Ohne Frühstück, mit wachsendem Hunger, steh ich dort an der Rezeption und möchte für die Nacht bezahlen. Da sie weder meinen Namen noch irgendwelche anderen Daten von mir haben, kommt mir aus lauter Frust der Gedanke, einfach zu verschwinden, aber die Vernunft siegt…
Tag #18
Heute ist ein wirklich mittelmäßiger Tag. Er beginnt mit einem Frühstück, das echt nichts Besonderes ist, aber mir dafür einen wunderschönen Ausblick auf die Alpenkette zwischen Österreich und Deutschland und auf die Zugspitze beschert…


Tag #19
So heute ist es so weit. Der letzte Tag in Österreich für längere Zeit. Nach einem wunderschönen Vormittag in der Altstadt von Lindau und anschließend einem Nachmittag an der Seebühne von Bregenz lasse ich den Tag mit einem guten Essen und einem Bier im Sonnenuntergang über dem Bodensee ausklingen…
Tag #20
Es ist Nacht, ich sitze im Bus Richtung Genf. Viele Leute auf engstem Raum, aber wieder niemand zum Reden. Ich lehne an der großen Fensterscheibe und beobachte den gelben Mond, der am Nachhimmel steht. Das Flackern der vorbeiziehenden Straßenlaternen, zusammen mit der Aufregung vor morgen, lassen mich nicht schlafen…


Tag #21
Wahnsinn, was die Gesellschaft von einigen netten Menschen ausmacht. Nach dem Abend gestern, marschiere ich heute aufgeladen, als hätte ich den Duracell-Hasen gefrühstückt, ohne Probleme Kilometer für Kilometer. Die Energie ist auch mehr als notwendig, denn in der bergigen Landschaft, in der ich mich gerade befinde, geht es wirklich andauernd auf und ab…
Tag #22
Heute nehme ich mir mal wieder die Zeit, um richtig auszuschlafen. Ohne Stress mache ich Frühstück mit allem, was dazugehört. Nebenbei geh ich nochmal die Route auf meinem Handy durch und sehe aus der Tür hinaus den Vögeln beim Fangen-Spielen zu. Mit frisch gewaschenem Outfit, vollem Wassertank und jeder Menge Energie geht es sich sicher viel leichter…


Tag #23
Auf das ausgezeichnete Abendessen folgt, nach einer mehr als erholsamen Nacht, ein genauso gutes Frühstück. Im Speisesaal, der im Normalfall gut 80 Leute beherbergen kann, ist genau ein einziger Platz gedeckt. Für mich. Ich weiß nicht warum, aber irgendwie erfüllt mich das mit Freude…
Tag #24
Heute hab ich 28 Kilometer und insgesamt zirka 900 Höhenmeter vor mir. Bei 38 Grad. Toll. Na, dann mal los. Das Frühstück hat mir die Gastgeberin der Gite d’Etape Le moulin schon am Vorabend hergerichtet, um mir in der Früh die Möglichkeit zu gebe, noch vor der großen Hitze aufzubrechen…


Tag #25
Mein heutiger Tag beginnt, ich will jetzt sagen mitten in der Nacht, aber 5.30 Uhr ist schon sehr früh. Chantal hat uns schon das Frühstück bereitet. Sie meinte am Vorabend, dass wir so früh wie möglich starten, da heute ein furchtbar heißer Tag werden wird. Klang zu dem Zeitpunkt auch plausibel…
Tag #26
Heute bleibt mir aufgrund des verspäteten Frühstücks zwar Zeit, um ein wenig länger zu schlafen, aber die Befürchtung für den heutigen Tag ist dafür berechtigt. Heute soll’s nochmal so richtig heiß werden. Vor 8.30 Uhr schaffen wir es nicht aus der Unterkunft, da das Frühstück, das wir gerne eine Stunde früher gehabt hätten, dermaßen üppig ist, dass der Zeitplan für heute dadurch schon jetzt ins Wanken gerät…


Tag #27
Endlich ist die Hitze vorbei! Das Gewitter, welches die ganze Nacht mit Blitz und Donner über uns wütet, bringt endlich die heißersehnte Abkühlung. Ausgeschlafen, aber doch ein wenig angeschlagen, sitzen Eleni und ich beim Frühstück. Die alte Gastgeberin erzählt uns nebenbei einiges über die zahlreichen Pilger, die im Laufe der Zeit bereits hier durchgekommen sind und legt uns für unsere Weiterreise besonders ans Herz, der örtlichen Kirche einen Besuch abzustatten. Gesagt, getan…
Tag #28
Nach einer stürmischen und kühlen Nacht und mit einer Wetterprognose, die für heute das perfekte Wanderwetter ansagt, fällt das Aufstehen richtig leicht. Am Frühstückstisch sitze ich mit den zwei Gastgebern und zwei weiteren Pilgern und man unterhält sich natürlich in französisch. Da kann ich mich ganz aufs Essen konzentrieren…


Tag #29
Auch heute fällt mir das Aufstehen echt leicht. Die Sonne scheint und ein kühler Wind weht vor meinem Fenster. Das Frühstück. Oh, das Frühstück. Seit ich vor ziemlich genau einem Monat losgegangen bin, habe ich nicht mehr so ein Frühstück bekommen…
Tag #30
Nach der gestrigen Aufregung nach meinem Kochspektakel fällt es mir schwer, Schlaf zu finden, was sich natürlich heute morgen sofort rächt. Nicht mal das Frühstück kann das heute richten. Also mach‘ ich mich, ein wenig geschlaucht, aber doch motiviert, auf die Suche nach der blauen Markierung mit der Muschel. Das dauert ein wenig, da ich orientierungslos quer durch den Ort laufen muss. Da ist sie! Na bitte, wieder auf dem Weg…


Tag #31
So, na bitte, ein Monat wär geschafft. Ich bin bisher 733 Kilometer zu Fuß gegangen, hab auf dieser Strecke mehrere tausend Höhenmeter gesammelt und so ziemlich jeden Schmerz, den man auf so einer Reise bekommen kann, erlebt. Das heißt, überraschen wird mich vermutlich so schnell nichts mehr. Hoffentlich…
Tag #32
Nach der gestrigen „Bergetappe“ habe ich heute Nacht auf knapp 1.200 Höhenmetern übernachtet. Ums mal so auszudrücken, es wär ja nicht meine „spirituelle Selbstfindungsreise“, wasauchimmer, wenns nicht auch ein wenig seltsam wäre…


Tag #33
Der Tag beginnt heute mal wieder sehr einsam. Meine schweizer Gefährten vom Vorabend sind heute bereits vor 7. 00 Uhr aufgebrochen. Vermutlich weil sie die Schnauze voll davon haben, täglich von mir überholt zu werden. Ich nutze die kürzeren Tagesetappen und schlafe mich gut aus, frühstücke in aller Ruhe und mach mich dann erst auf den Weg. Eindeutig die bessere Weise den Tag zu beginnen, aber jeder wie er möchte…
Tag #34
So wie die letzten Wochen schon, wache ich, auf die Minute genau, 5 Minuten vor meinem Wecker auf. Obwohl die Dame gestern gesagt hat, dass es kein Frühstück gibt, ich ihr aber vermutlich leid getan hab, hat sie mir ein wenig Brot und Marmelade hingestellt. Echt nette Geste eigentlich…


Tag #35
Die Freude ist groß. Heute ist der letzte Tag der ersten Etappe in Frankreich. Heute erreiche ich das Ende des „via Gebennensis“, die Pilgermetropole Frankreichs, Le Puy en Velay. Nach einem netten Frühstück mit dem älteren Ehepaar, welches die heutige Unterkunft privat betreibt, mache ich mich voller Vorfreude auf den Weg…
Tag #36
Obwohl ich mir die Anwesenheit anderer Pilger in den letzten Wochen ersehnt habe, überzeugt mich der erste Morgen schon vom Gegenteil. Um 5.00 Uhr (!!) beginnt der große Ansturm auf das Frühstück, um als einer der Ersten am Camino aus der Stadt zu laufen. Wie kann man so gestört sein?..


Tag #37
Neuer Tag. Neue Schuhe. Neues Glück. Naja, fast. Jeder, der schon mal gehört hat, man soll seine Schuhe vor längeren Wanderungen immer gut eingehen, sollte sich auch unbedingt daran halten. Mit neuen Schuhen, direkt nach einem Pausentag, eine Art Leistungsmarsch zu machen, gehört definitiv nicht zu den besten Ideen, die ich bis jetzt hatte. Soviel dazu…
Tag #38
Nach 2 Wochen schönstes Wetter ist es heut endlich so weit. Das große Unwetter. Die ganze Nacht wütet ein Sturm vor meinem Zimmerfenster. Der Regen bleibt mir auch noch am Morgen. Durch den morgendlichen Nebel bekommt alles einen geradezu mystischen Schein…


Tag #39
Der erste Tag im Doppelpack beginnt mit einem eisigen Morgen. Wenn man mit kurzer Hose und Sandalen morgens bei 12 Grad aus dem Zelt steigt, bekommt man mal einen kurzen Schock. Wenn dann zusätzlich der Gaskocher nicht funktioniert und man auf das warme Getränk am Morgen auch noch verzichten muss, vergeht einem die Lust für den Tag schon ein wenig. Man kann sagen, ich habs mit allen Mitteln probiert. Zweifellos…
Tag #40
Der Umstieg vom Zelt auf ein Bett lässt mich mal wieder an der Sinnhaftigkeit dieser Übernachtungs-Option zweifeln. Rückenschmerzen und Müdigkeit sind nach einer Nacht im Zelt ein ständiger Begleiter. Aus dem Grund war ich nach der heutigen Nacht in der Gite, die wir uns mit 17 anderen Leuten geteilt haben, sowas von ausgeschlafen, dass ich mein Bett zuhause niemals wieder als selbstverständlich ansehen werde…


Tag #41
Wenigstens auf mein Bauchgefühl kann ich mich verlassen. Die Nacht nicht im Zelt zu verbringen, war eine goldrichtige Entscheidung, denn um zirka Mitternacht bricht die Hölle über uns herein. Auf den Schotterstraßen des Campingplatzes steht 10 Zentimeter hoch das Wasser, Menschen laufen aus ihren Zelten Richtung der Kloanlagen, um Schutz zu suchen. Ich liege kuschelig in meinem Schlafsack eingerollt im Trockenen und beobachte das Schauspiel…
Tag #42
Komplett schmerzfrei aufzuwachen, bleibt wohl auch am 42ten Tag ein Wunschtraum. Die Oberschenkel sind nach den letzten Etappen die, ums einfach auszudrücken, bergig waren, ziemlich hinüber. Mit Cremen und Magnesium wirke ich dem entgegen und nach einem heute mehr als bescheidenen Frühstück starten wir auch schon in die nächste Bergetappe…


Tag #43
Die 1.000-Kilometer-Marke fällt. Seit ich, vor 6 Wochen, los marschiert bin, habe ich in bis jetzt 4 verschiedenen Ländern insgesamt 1.000 Kilometer zu Fuß zurückgelegt. War eigentlich halb so wild. ha ha Meine Knie und Füße sehen das natürlich ein wenig anders. Aber jetzt gibt es einfach kein Zurück mehr, mich hält nichts mehr auf!..
Tag #44
Der Tag beginnt, abgesehen vom Frühstück, sehr positiv. Mich hat das erste Mal eine Französin geküsst. Ok, weniger geküsst als regelrecht aufgefressen…


Tag #45
Und wieder alleine unterwegs. Sophie hat sich, aus einerseits körperlichen anderseits zeitlichen Gründen, entschieden, den Zug zu nehmen, um sich einiges an Weg zu sparen. Aber alleine bin ich trotzdem nicht, da auf dem Weg ein Haufen Pilger unterwegs sind, die mir Gesellschaft leisten können. Also, viel Glück Sophie, mal sehen, ob du vor mir ankommst.
Tag #46
Wenn man, dem guten Vorsatz folgend, früh schlafen geht und dann seine Wäsche über Nacht im Regen hängen lässt… Jawohl. Das Wetter ist heute, zum Glück, seit längeren Zeit, mal wieder gegen mich…


Tag #47
Heute heißt’s mal wieder „ab durch die Nebelwand“. Schweren Herzens verlasse ich die Oase der Ruhe, in der ich heute übernachtet habe,und laufe direkt durch dichten Nebel die Straße entlang…
Tag #48
Morgenstund‘ hat Gold im Mund. Heute mehr als sonst. Im Morgengrauen mach‘ ich mich heute schon auf den Weg, weil meine Zimmergenossen richtige Frühaufsteher sind und mit Licht und Lärm im Raum das Schlafen dann doch ein wenig schwer fällt. Das gibt mir wenigstens die Chance, den Sonnenaufgang zu sehen…


Tag #49
49 Tage, also 7 Wochen bin ich unterwegs. Kaum zu fassen. Langsam vermiss ich es, zu Hause faul auf der Couch zu liegen. Oder mit jemandem deutsch zu sprechen. Warum spricht hier niemand deutsch, verdammt, oder zumindest irgendeine andere Sprache, die ich versteh‘. Langsam zähl‘ ich die Tage, bis ich endlich aus diesem Sprachdefizit von einem Land herauskomme…
Tag #50
So unerfreulich der gestrige Tag geendet hat umso erfreulicher beginnt der heutige. Mein Zimmergenosse, Stefaan, richtig cooler Typ aus Belgien, beschließt, sich mir heute für einen Teil der Strecke anzuschließen. Lässig. Da die Landschaft hier sowieso ziemlich öde wirkt, ist ein nettes Gespräch mit einem Gleichgesinnten die beste Möglichkeit, sich ein wenig abzulenken…


Tag #51
Was soll ich sagen, mein Wetter-Wunsch für heute ist eher nicht in Erfüllung gegangen. Bei einem Wechselspiel zwischen Nieselregen und strömendem Regen zu gehen, macht eher mäßig Spaß. Vor allem, wenn man außerhalb der Städte nur auf unbefestigten Waldwegen unterwegs ist und dabei knöcheltief im Gatsch watet…
Tag #52
„Morgenstund‘ hat Gold im Mund“. Wenn man sich im Morgengrauen auf den Weg macht und einfach mal dem Naturschauspiel des Sonnenaufgangs bei der Entfaltung zusieht, kommt man auf ganz eigene Gedanken…


Tag #53
Wenn man morgens mit T-Shirt und kurzer Hose aus dem Haus geht und dann seinen Atem sehen kann, stimmt irgendwas nicht. Aber wer rechnet auch damit, dass es Ende August morgens nur 8 Grad hat. Also ich definitiv nicht. Noch schnell ein Foto von der kleinen Markthalle des Ortes machen und dann geht’s auch schon los…
Tag #54
Bei mir läutet heute wieder sehr früh der Wecker, da es für mich die einzige Möglichkeit ist der Hitze irgendwie zu entgehen. Hat auch was Gutes. Die ganze Landschaft mal in der Morgendämmerung zu sehen, hat was…


Tag #55
Ich mach ja echt ungern Werbung für eine der Unterkünfte, aber die Gite „Le Relais Saint-Jacques“ in Condom war definitiv die beste Unterkunft, in der ich in Frankreich bzw. auf meiner gesamten Reise war…
Tag #56
Naja, toll geschlafen hab‘ ich nicht. Die Stadt, die gestern noch so ausgestorben gewirkt hat, hat bis spät in die Nacht mit Live Musik und lautem Gegröle gefeiert. Und das, wie soll es anders sein, direkt vor meinem Fenster…


Tag #57
Na gut, ganz alleine, in der Morgendämmerung, in den Wald laufen und das auch noch bei dichtem Nebel, ist nicht unbedingt das, was ich heute machen will, aber was bleibt mir übrig…
Tag #58
Super geschlafen, trotz Unmengen an Wein keinen Kater, ein tolles Frühstück und bedecktes, fast kühles Wetter. Also einfach ein perfekter Tag fürs Wandern. Gleich am Ausgang der Stadt kommt dann noch eine kleine Motivation dazu…


Tag #59
Der Herbst kommt. 6.45 Uhr, ich mach mich auf den Weg – und es ist stockfinster. Die erste halbe Stunde muss ich tatsächlich das erste Mal meine Stirnlampe auspacken, um nicht an einer, der teilweise echt schlecht sichtbaren, Markierungen vorbeizulaufen. Ganz schön gruselig, so im Finsteren über Maisfelder zu laufen…
Tag #60
Ich bin heute der Erste, der die Unterkunft verlässt und sich in die Dunkelheit hinauswagt. Schon ein wenig gefährlich, da die Strecke die ersten Kilometer, so wie sie gestern geendet hat, auf der Straße beginnt und ich, abgesehen von meiner Stirnlampe, eigentlich nicht zu sehen bin…


Tag #61
Na gut. Ich warte jeden Tag schon darauf, wann die erste ärgerliche Sache des Tages geschieht. Direkt nach dem Aufstehen ist hart. Ich bin fixfertig und abmarschbereit und muss feststellen, dass mein Handy, was heute noch unerlässlich ist, um mir ein Bett für morgen zu reservieren, fast keinen Akku hat…
Tag #62
Ok, das Hoffen hat nicht geholfen. Die Schmerzen im Schienbein sind von gestern auf heute unverändert geblieben. Toll. Dazu kommt, dass ich heute schon um 5.00 Uhr aufstehe, weil ich bis spätestens 12.00 Uhr in St Jean Pied de Port sein muss, da sonst das Postamt zusperrt. Da ich direkt vor der Überquerung der Pyrenäen stehe, muss ich ganz dringend noch ein wenig totes Gewicht aus meinem Rucksack loswerden…


Tag #63
Ein neuer Tag, keine Verbesserung. Ich hab‘ gesagt, mich hält jetzt nichts mehr auf, also weiter geht’s. Nur eben mit Schmerzen, was soll’s. Dass in Spanien mehr los ist, habe ich ja erwartet, aber dass ich mich um halb 7 in der Früh in einem Gedränge an Pilgern aus der Stadt rauskämpfen muss, darauf war ich nicht vorbereitet…
Tag #64
Ich weiß nicht, woran es liegt, aber trotz des, kann man schon fast sagen, Alkoholexzesses gestern beim Abendessen geht’s mit heute ziemlich gut. Naja, abgesehen von den krassen Schmerzen in meinem Bein. Vielleicht liegt’s an der guten Stimmung, die das ganze Land um mich herum ausstrahlt…


Tag #65
Pamplona, was für eine Stadt. Die farbigen Häuser der Altstadt im Zusammenspiel mit der Kathedrale und der Aufbruchstimmung der Pilger am frühen Morgen machen es zu einem ganz besonderen Erlebnis für mich.
Tag #66
Unter strahlendem Sternenhimmel starte ich heute in den Tag und das, obwohl es schon fast 7.00 Uhr ist. Mit meiner Taschenlampe bewaffnet, versuche ich, den Schildern aus der Stadt zu folgen, was sich als ziemlich schwierige Aufgabe herausstellt. Einige davon sind nämlich kaum zu sehen, andere hingegen sehr auffällig…


Tag #67
Ok, die Weineskapade des gestrigen Abends rächt sich heute ein wenig. Leichtes Kopfweh und fehlende Energie in den Beinen. Nicht gut. Einziger positiver Effekt ist, dass ich gestern einen Mitstreiter für den heutigen Tagesmarsch gefunden habe. Gabriel, ein junger Pariser, teilt sich heute den Weg mit mir…
Tag #68
Wie soll ich sagen? Jeder, der ein paar Tage mit mir auf dem Camino verbringt, hat danach mit körperlichen Problemen zu kämpfen. Einerseits echt interessant, aber andererseits auch echt doof. Das heißt für mich mal wieder, Musik an und einfach weitergehen. Meinem Schienbein geht’s nach Tagen der Quälerei schon wieder ziemlich gut und das Wetter ist optimal. Was will man denn noch?..

Tag #69
5.00 Uhr morgens. Was für ein nette Art, geweckt zu werden. So mit dem Licht einer Taschenlampe im Gesicht. Toll, wie die Italiener in meinem Zimmer Rücksicht nehmen und anstatt die große Zimmerbeleuchtung aufzudrehen, jedem persönlich mit der Stirnlampe in die Augen leuchten…
Tag #70
70 Tage. 10 Wochen lauf ich jetzt schon quer durch Europa. Wahnsinn. Da die letzten Tage mich körperlich ziemlich mitgenommen haben, werde ich es heut ein wenig ruhiger angehen lassen und nur einen halben Tag einlegen. Also keinen Stress in der Früh. Ich packe meinen Rucksack und geh‘ einfach ganz entspannt in den Tag hinein…


Tag #71
30 Leute in einem Raum und jeder will in der Früh scheinbar der Erste am Weg sein. Also Ausschlafen spielt’s an meinem Ruhetag eher nicht. Kopfhörer in die Ohren und versuchen, noch ein paar ruhige Minuten zu bekommen. Ok jetzt muss ich auch auf. Als einer der letzten 5 im Raum geht’s mit frischgewaschener Kleidung ab in die Kälte…
Tag #72
Heute hab ich eine der längsten Etappen meiner gesamten Reise vor mir. Toll, wenn man an so einem Tag um halb 6 von einer Horde junger Italiener mit wildem Taschenlampen-Gefuchtel geweckt wird…


Tag #73
Ich muss zugeben, das war eine der ruhigsten Nächte meiner Reise. Kein Geschnarche und kein Lärm in der Früh. Nur ausgeschlafen bin ich irgendwie auch nicht, der Tag gestern war dann doch etwas heftig. Naja, hilft nichts. Rein in die Schuhe und los geht’s…
Tag #74
Umso länger meine Tagesstrecken werden, umso mehr ärgern mich die Leute, die weder in der Nacht noch in der Früh die Schnauze halten können. Es ist doch nicht so schwer, die 5 Sachen, die im Rucksack drin sind, so einzupacken, dass man sie mit einem Handgriff bei sich hat. Der Lärm, der von 20 Leuten erzeugt wird, die versuchen, leise ihren Rucksack zu packen und den Raum zu verlassen, ist unvorstellbar…


Tag #75
Heute dreh‘ ich den Spieß um. Ich bin heute der Erste, der aufsteht, seine 7 Sachen packt und sich auf den Weg macht. Das alles, obwohl es unmöglich scheint, auch noch leise und ohne Licht. Unmöglich, von wegen!..
Tag #76
Was für eine Nacht. 50 Leute auf engstem Raum, die Temperaturen und der Lärmpegel sind mehr als grenzwertig und dazu die Matratze mit Weichheitsgrad Stahlbeton. Einfach super. Schlafen kann ich sowieso nicht mehr – also kann ich auch einfach gehen…


Tag #77
Ich weiß nicht warum, aber mit Italienern in einem Raum zu schlafen, ist einfach unmöglich. Die eine Hälfte macht bis spät nachts Lärm und Lichtspiele im Raum und die andere Hälfte steht um 5.00 Uhr auf und beginnt lautstark ihre Rucksäcke zu packen…
Tag #78
Die letzte Woche ist angebrochen. Zum ersten Mal bin ich der Erste, der das Zimmer verlässt. Nach zirka 10 Minuten außerhalb der Stadt, wird mir auch bewusst, warum. Es ist stockfinster, eiskalt und um das Ganze noch abzurunden, dichter Nebel…


Tag #79
Hab ich mich wohl zu früh gefreut über den gestrigen Tag. Die einzige Sache, die ich ums Verrecken nicht brauchen kann auf meiner Reise und vor der ich mich schon in Sicherheit gewogen hab, ist jetzt eingetreten. Bettwanzen. Scheiße…
Tag #80
Eine ruhige Nacht, ohne Bisse, ohne schnarchende Zimmergenossen. Das ich sowas noch erleben darf. Dann hat so eine Übernachtung am Berg auch noch einige Vorteile. Es ist totenstill und die Luft ist frisch wie nie…


Tag #81
20 Betten für mich allein. Das nenn‘ ich Luxus. Super geschlafen hab ich schon mal und bin ziemlich gut drauf. Das hält genau für 5 Minuten. Denn in diesen Minuten, von der Herberge durch die Stadt, laufe ich an ungefähr 50 Pilgern vorbei, die hier ihren Weg beginnen. Die wirklich nur hier sind, um die letzten 100 Kilometer zu gehen. Das heißt, das Rennen um die Betten wird jetzt noch interessanter…
Tag #82
Großartig. Der alte Herr zwei Betten neben mir hat geschnarcht, dass ich echt um sein Wohlbefinden besorgt war. Im Laufe der Nacht hätt‘ ich ihm dann was anderes gewunschen. Trotz Kopfhörern keine Chance auf einen ruhigen Schlaf…


Tag #83
83 Tage. 2500 Kilometer. 500 Stunden. Über 3 Millionen Schritte. 2 Paar Schuhe. 4 Paar Socken. 2 Kopfhörer. 2 Sonnenbrillen. 1 Paar Wanderstöcke. Unmengen an Tape. 10 Kilogramm Körpergewicht. Das alles hat es mich gekostet…
Verlängerung
Nachdem ich gestern eine halbe Ewigkeit im strömenden Regen gelaufen bin und mir der Security-Typ am Pilgerbüro dann allen Ernstes erklärt hat, dass es heute keine Möglichkeit mehr gibt, eine Nummer zu ziehen, geschweige denn heute überhaupt die Compostela zu bekommen. Toll.
